Integrative Primärtherapie

Die Integrative Primärtherapie ist eine Weiterentwicklung der von Arthur Janov in den 60er Jahren entwickelten Primärtherapie. Zentral in der Integrativen Primärtherapie ist es, wieder einen Kontakt mit sich selbst und den eigenen Gefühlen herzustellen.

Um zu überleben, müssen wir meist schon in frühester Kindheit unsere Gefühle und Verletzungen abspalten und verdrängen, da der kindliche Organismus noch nicht in der Lage ist, diese zu bewältigen. Sie bleiben als nicht verarbeitete Erlebnisse in uns gespeichert, prägen unbewusst unser Verhalten und unser Erleben und drängen manchmal ausgelöst durch Alltagssituationen an die Oberfläche. Wenn Menschen von Gefühlszuständen überwältigt werden, so dass sie nicht mehr alleine zurecht kommen und unter großen Leidensdruck stehen, suchen sie in der Regel therapeutische Hilfe auf.

Im geschützten Rahmen der Therapie werden die Klienten ermutigt, ihre Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen. Dabei wird keine Unterscheidung zwischen negativen und positiven Gefühlen gemacht, sondern der Mensch ist mit allen Gefühlen und Zuständen willkommen. Um Verständnis auch für ungeliebte und abgelehnte Gefühle und Anteile zu bekommen, ist es manchmal notwendig, die Geschichte bis zur Entstehung zurückzuverfolgen.

Eine therapeutische Sitzung beginnt in der Regel mit dem Gespräch über die gegenwärtige Situation, legt dann den Fokus auf die damit verbundenen Gefühle und folgt diesen bis in die Vergangenheit hinein, um sie dort im Zusammenhang mit der ursprünglichen Situation zu erleben. Verdrängte Gefühle können nun zugelassen werden. Alle Gefühle, ob laut oder leise, bekommen ihren Platz, Gespräche bilden dabei die Grundlage für Verständnis und Integration.

Traumatisierungen und tiefe Verletzungen aus der Kindheit werden erst dann bearbeitet, wenn sich der Klient/die Klientin in seinem/ihrem inneren Prozess dafür öffnet. Voraussetzungen dafür sind, dass er/sie die innere Stärke gewonnen hat, sich mit den Verletzungen aus der Kindheit auseinander­zusetzen und dass sich eine tragfähige therapeutische Beziehung entwickelt hat, in der sich der Klient/ die Klientin sicher und angenommen fühlt. Im Fühlen und Erleben traumatischer Erlebnisse und Umstände bis weit in die Kindheitsgeschichte hinein,  geschieht ein Bewußtwerdungsprozess, in dem wir unsere Gefühle und Wesensanteile immer mehr kennenlernen und akzeptieren können. Im Anschluss an tiefe Sitzungen werden Zusammenhänge und Bedeutungen für das heutige Leben oft „wie von selbst“ klar, was dazu beiträgt, eingefahrene Muster zu verlassen. Im Laufe des primärthera­peutischen Prozesses verlieren Menschen die Furcht vor ihren eigenen Gefühlen und können sich selbst und ihr Schicksal besser annehmen.

Die Ursprünge der Integrative Primärtherapie und der Körperpsychotherapie liegen in derselben Zeit. Die beiden Methoden lassen sich gut miteinander verbinden und ergänzen sich.